Britisches Pfund nach akkommodierenden Äußerungen der Bank of England unter Druck

Enrique Díaz-Álvarez15/Aug/2016Devisenmarkt

In der vergangenen Woche gab es an den Devisenmärkten einige stärkere Bewegungen als sonst in der ruhigen Sommerzeit üblich ist. Das britische Pfund setzte seine Talfahrt weiter fort, nachdem Ian McCafferty, Mitglied des Geldpolitischen Ausschusses (MPC) der Bank of England, erklärte, es gebe weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen, wenn die rückläufigen britischen Einkaufsmanagerindizes in den kommenden Monaten durch harte Wirtschaftsdaten untermauert würden. Indessen gab der Dollar nach und bewegte sich wieder in der Mitte seiner Handelsspanne aus der Zeit nach dem Brexit-Referendum. Grund hierfür waren Positionsbereinigungen und einige schwächer als erwartet ausgefallene Daten.

Spitzenreiter der Woche war die norwegische Krone, die zulegte, nachdem die Inflation in Norwegen mit einer massiven Aufwärtsüberraschung aufwartete. Auftrieb verlieh ihr außerdem die Erholung der Erdölpreise. Besonders hervorzuheben ist der mexikanische Peso, der im Verhältnis zu allen Leitwährungen mit Ausnahme der Krone kräftig zulegte. Zurückzuführen war dies darauf, dass sich die Aussichten auf einen Sieg von Donald Trump weiter abschwächten und die Banxico die Zinsen unverändert ließ.

Verbraucherpreisindex von Norwegen (2012 – 2016)

Norway Inflation

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Datum: 15/08/2016

Vor uns liegt eine ruhige Woche im sommerlichen Handel an den Devisenmärkten. Die wichtigsten Nachrichten dieser Woche werden aus den USA kommen. Der Bericht über die Inflation im Juli, eine wichtige Rede von Dennis Lockhart, Mitglied des Offenmarktausschusses (FOMC), und das Protokoll der Juli-Sitzung des FOMC werden etwas mehr Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September vermitteln.

In Großbritannien werden die Immobilienpreise, die Arbeitsmarktzahlen und die Einzelhandelsumsätze für Juli zu den ersten harten Wirtschaftsdaten gehören, die nach dem Referendum veröffentlicht werden. Die wichtigste Frage wird hierbei sein, ob sie tatsächlich so negativ sind, wie vor kurzem veröffentlichten Stimmungsumfragen andeuteten.

EUR

Aufgrund sehr weniger aussagefähiger Daten in der letzten und in dieser Woche wird der Euro im Verhältnis zum Dollar weiterhin in engen Bandbreiten gehandelt werden, sofern diese nicht durch größere Überraschungen auf der anderen Seite des Atlantiks zur einen oder anderen Seite durchbrochen werden. Diese Woche wird das Protokoll der EZB-Sitzung von Juli veröffentlicht. Händler werden darin Ausschau nach Kommentaren über das Brexit-Referendum und etwaigen Hinweisen auf die Wahrscheinlichkeit weiterer Lockerungsmaßnahmen halten, die als Reaktion hierauf möglicherweise beschlossen werden. In der Vergangenheit enthielten diese Protokolle aber selten Informationen, die irgendwelche Bewegungen am Markt auslösten.

USD

Die Devisenmärkte machten viel Aufheben von der negativen Überraschung, die die US-Einzelhandelsumsätze mit einem leichten Minus von 0,1% für Juli unter Ausschluss von Benzin und Autokäufen parat hielten. Dies ist vielleicht die Kennzahl in den USA, die die stärksten Schwankungen aufweist und nach der ersten Bekanntgabe im darauffolgenden Monat größeren Korrekturen unterliegt.

Der 6-Monatsdurchschnitt steht immer noch mit einem annualisierten Wachstum von annähernd 5% im Einklang. Wir würden deswegen die reflexartige Reaktion des Marktes am Freitag außer Acht lassen, durch die der Dollar zum Wochenende handelsgewichtet etwa 1% niedriger notierte.

GBP

MPC-Mitglied Ian McCafferty bestimmte gleich am Montag mit seinen Äußerungen den schwachen Kurs für das britische Pfund. Er erklärte, dass weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen auf dem Programm stünden, falls die Wirtschaft den trüben Signalen der überaus negativen Einkaufsmanagerindizes als Kennzahlen für das Geschäftsklima Recht geben sollte. Dies werde in Form weiterer Zinssenkungen und einer zusätzlichen Ausweitung des Ziels für die quantitative Lockerung erfolgen.

Das britische Pfund geriet durch diese Kommentare weiter unter Druck und wurde die Woche über niedriger gehandelt. Im Verhältnis zum US-Dollar konnte es sich gerade knapp über dem Niveau aus der Zeit nach dem Referendum halten. Gegenüber dem Euro sackte die britische Währung aber auf neue Jahrestiefstände ab.

Durch den Arbeitsmarktbericht und die Einzelhandelsumsätze für Juli, die in dieser Woche veröffentlicht werden, erhalten wir die ersten belastbaren Daten aus der Realwirtschaft über die Auswirkungen des Referendums. Wir stellen fest, dass die Stimmung sehr negativ gegenüber dem GBP ist. Etwaige positive Überraschungen bei den britischen Wirtschaftsdaten könnten beim Pfund eine erhebliche kurzfristige Rally infolge der Eindeckung von Short-Positionen auslösen.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.