Rede von Janet Yellen bestätigt weitere Zinserhöhungen für 2016 und schickt den Dollar auf Höhenflug

Enrique Díaz-Álvarez30/Aug/2016Devisenmarkt

Der träge sommerliche Handel an den Devisenmärkten in den letzten beiden Wochen lebte am Freitagnachmittag plötzlich auf, als die lang erwartete Rede von US-Notenbankchefin Janet Yellen über die Ticker kam. Von größter unmittelbarer Bedeutung für die Märkte war die ausdrückliche Erklärung, dass sich die „Voraussetzungen für [US-Zinserhöhungen] verstärkt haben“. Nach unserer Ansicht passt dies zu den anhaltend positiven Tönen jüngster Äußerungen von Notenbankfunktionären und ist so gut wie eine Garantie für eine oder zwei Zinserhöhungen im Rest von 2016. Nach gewissem Zögern reagierten die Märkte auf die eindeutig positiven Töne der Rede. Der Dollar legte zu, die Renditen von US-Treasuries stiegen und die Aktienkurse fielen.

Auch in dieser Woche werden Nachrichten aus den USA die Devisenmärkte weiter antreiben. Am Freitag werden die letzten wichtigen Konjunkturdaten vor der September-Sitzung der Notenbank (Fed) veröffentlicht: der US-Arbeitsmarktbericht für August. Wir rechnen mit einem erneut soliden Bericht, der die Mitglieder des Offenmarktausschusses mehrheitlich dazu bewegen wird, für eine Zinserhöhung zu stimmen. Das bedeutet eine robuste Unterstützung für den US-Dollar in den nächsten Wochen.

EUR

Der Flash-Einkaufsmanagerindex, der Aufschluss über das Vertrauen der Unternehmen vermittelt, war mit 53,3 im August im Großen und Ganzen stabil. Bislang scheinen Unternehmensleiter das Ergebnis des Brexit-Referendums locker wegzustecken. Die Kennzahlen zum Vertrauen der Unternehmen bleiben bei Ständen, die mit bescheidenem Wachstum in der Euro-Zone insgesamt im Einklang stehen. Hinter diesem Durchschnitt verbergen sich allerdings deutliche Unterschiede zwischen den nationalen Wirtschaften. Spanien verzeichnet kräftiges Wachstum und schüttelt damit die politischen Unsicherheiten ab, obwohl die dortigen Parteien sich nicht auf eine Regierungsbildung einigen können. Gleichzeitig ist Deutschland stabil, während Italien nicht wirklich überzeugend durchstarten kann.

Sofern es bei den Inflationszahlen, die in dieser Woche für die Euro-Zone veröffentlicht werden, keine großen Überraschungen gibt, wird der Euro nach unserer Einschätzung weiter auf der Stelle treten, denn Anleger schlagen sich mit der praktischen Gewissheit von zumindest einer weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank 2016 herum. Das ist eine Eventualität, die an den Zinsmärkten *immer* noch nicht im vollem Umfang eingepreist ist, auch wenn die Lücke zwischen Kursen und Äußerungen der Notenbank in den letzten Wochen sicherlich kleiner geworden ist.

USD

Die positiven Töne von Janet Yellen bei ihrer Ansprache in Jackson Hole kamen nicht wirklich unerwartet, da schon in den vergangenen drei Wochen in offiziellen Verlautbarungen der US-Notenbank durchweg Ähnliches zu vernehmen war. Die wesentliche Entwicklung, die Fed-Funktionäre einer zweiten Zinserhöhung immer näher bringt, ist zweifellos der robuste Arbeitsmarkt in den USA. Die schwachen Zahlen von Mai sind dort so gut wie vergessen, und der Dreimonatsdurchschnitt von 190.000 neuen Stellen liegt im Hinblick auf den am Freitag veröffentlichten Bericht für August deutlich über allen vernünftigen Einschätzungen des Wachstums der Erwerbstätigenzahl.

In Anbetracht von lebhaften Finanzmärkten und Finanzbedingungen, die die Ausgaben bei Verbrauchern und Unternehmen durchaus unterstützen, sehen wir wenig, was zwei Zinserhöhungen im Rest von 2016 – einer im September und einer im Dezember – im Wege stehen sollte.

GBP

Im Gegensatz zu den sehr schwachen Geschäftsklimaindikatoren sind die tatsächlichen Daten über die britische Wirtschaft nach dem Schock über das Referendum-Ergebnis bisher solider als erwartet. Die Zahl derer, die sich im Juli arbeitslos meldeten, ging im Juli überraschend zurück, und die Einzelhandelsumsätze fielen sehr viel stärker als vermutet aus. Dies sind jedoch höchst volatile Zahlen, die nur einen Teilausschnitt von der britischen Wirtschaft vermitteln. Allerdings gewinnt die These, dass der Kursverfall des britischen Pfund die kurzfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen des Referendums dämpfen wird, allmählich an Boden.

Das britische Pfund hat sowohl gegenüber dem Dollar als auch dem Euro deutlich zugelegt. Es sieht immer mehr so aus, als ob die Tiefstände aus der Zeit nach dem Referendum im Verhältnis zu beiden Währungen mittelfristig Bestand haben.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.