Die Schwellenländerwährungen verbuchen eine Rally, da Donald Trump weniger Chancen auf die Präsidentschaft hat

Enrique Díaz-Álvarez03/Okt/2016Devisenmarkt

In den G10-Ländern gab es in der vergangenen Woche nur wenige makroökonomische oder politische Nachrichten, weshalb sich ihre Währungen in sehr engen Spannen entwickelten. In den Schwellenländern waren die Devisen allerdings aktiver, insbesondere jene mit enger Verbindung zu den Ölpreisen wie der mexikanische Peso und der russische Rubel. Der erstgenannte profitierte von Donald Trumps desaströser Leistung während der TV-Debatte und dem daraufhin folgenden Rückgang in den Umfragen, die nun Hillary Clinton als solide Favoritin für den Gewinn der US-Präsidentschaftswahlen darstellen.

Beide wurden auch durch den Beschluss der OPEC, die Förderung zu drosseln, und den darauf folgenden Anstieg der Ölpreise angetrieben.  Wir sind gegenüber den beiden Währungen bereits eine gewisse Zeit lang optimistisch eingestellt, weshalb es erfreulich ist, dass die Rally der vergangenen Woche unsere Ansicht bestätigt. Wir sind der Meinung, dass es noch einiges an Steigerungspotenzial gibt.

Die wichtigsten Neuigkeiten in Europa bezogen sich auf die Sorgen über die Kapitalposition der Deutschen Bank (DB), was sich in ihrem schwankenden Aktienkurs widerspiegelte. Wir sehen keine große Gefahr einer Bankkrise, da die DB eine saubere Bilanz aufweist, Liquidität von den Zentralbanken eingeschossen wird und die Busse durch die USA für die irregulären Praktiken beim Verkauf von Hypotheken während der Krise von 2008-2009 wahrscheinlich weitaus niedriger ausfallen wird als zunächst getitelt wurde. Die Devisenmärkte schienen unserer Meinung zu sein und der Euro beachtete die Nachrichten über die DB über die gesamte Woche im Wesentlichen nicht.

In dieser Woche werden die Märkte sich weiterhin auf die Neuigkeiten aus den USA konzentrieren. Neben dem immer wichtigen Bericht über den US-Arbeitsmarkt am Freitag, werden die tröpfchenweisen Veröffentlichungen der Umfragen über die Präsidentschaftswahlen für die meisten Schwellenländerwährungen im Vordergrund stehen.

EUR

Die einzigen makroökonomischen Neuigkeiten stammten letzte Woche aus der Erstveröffentlichung der Inflation für September. Die Kerninflation, die volatile Komponenten ausschließt, verharrte stur bei niedrigen 0,8% entgegen den Erwartungen eines leichten Anstiegs. Die EZB (Europäische Zentralbank) wird von diesen Inflationszahlen nicht entlastet und der Zentralbankrat dürfte weiterhin unter Druck stehen, irgendwann während der kommenden drei Sitzungen neue Konjunkturpakete hinzuzufügen.

Der politische Kalender wird ein wichtiger Treiber für den Euro werden. Die dramatische Krise dieses Wochenendes in der sozialistischen Oppositionspartei in Spanien könnte schließlich die Möglichkeit für das Land bergen, eine Regierung zu bilden; das Verfassungsreferendum in Italien birgt die Möglichkeit, dass die Regierungspläne zurückgewiesen werden, was schädlich sein könnte; und die anhaltenden Streitigkeiten von Portugal mit der Troika werden von den Devisenmärkten in den kommenden Wochen aus der Nähe betrachtet werden.

USD

Wir erwarten, dass diese Woche in den USA rege verlaufen wird. Neben der Veröffentlichung des Berichts über den Arbeitsmarkt am Freitag, der von Bedeutung für weitere Zinsanhebungen durch die Federal Reserve sein wird, werden wir weiter in den Umfragen über die Präsidentschaftswahlen nach einer Bestätigung Ausschau halten, dass die gestiegenen Zahlen für Hillary Clinton nach der TV-Debatte anhalten. Sollte dies der Fall sein, erwarten wir, dass Risikoanlagen allgemein und insbesondere Schwellenländerwährungen weiterhin gut unterstützt werden – auch wenn die Auswirkungen auf den US-Dollar selber bis jetzt unklar sind. Der Dollar zeigte bislang keine klare Präferenz für einen bestimmten Präsidentschaftskandidaten.

GBP

Das Pfund Sterling legte letzte Woche eine bescheidene Erholung hin, da es keine umfassenden Neuigkeiten gab. Am Wochenende kam dann heraus, dass die Premierministerin Theresa May vorhat, Artikel 50 spätestens im März 2017 auszulösen, was einen Ausstieg aus der EU in 2019 bedeutet. Das Pfund verlor daraufhin am Sonntag im asiatischen Handel umgehend den Großteil seiner Gewinne. In dieser Woche werden in Form der PMI (Einkaufsmanagerindizes) als Indikatoren für die Stimmung in der Wirtschaft neue Hinweise auf die Beständigkeit der britischen Wirtschaft nach dem Brexit veröffentlicht.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.