'Blitz-Crash' an den Devisenmärkten

Enrique Díaz-Álvarez10/Oct/2016Devisenmarkt

Die Devisenmärkte konzentrierten sich die gesamte Woche über auf das britische Pfund. Dessen Probleme begannen am vergangenen Sonntag, als Premierministerin May erklärte, Artikel 50 über das Ausscheiden aus der Europäischen Union werde spätestens im März 2017 ausgelöst. Der Druck auf die britische Währung nahm weiter zu, als beim Parteitag der Konservativen nachdrücklich verlautbart wurde, die Kontrolle der Einwanderung sei wichtiger als der Zugang zum Binnenmarkt.

Auf die Spitze getrieben wurde die Sache am Freitag Morgen, als mangelnde Liquidität während des schwachen morgendlichen Handels in Asien, algorithmischer Handel und Stopp-Losses einen zweiminütigen „Blitz-Crash“ der Währung mit einem Minus von 6% herbeiführten. Die Währung konnte den überwiegenden Teil dieses Kursverfalls zwar rasch wieder wettmachen, beendete die Woche aber dennoch mit einem Rückgang von mehr als 3% gegenüber US-Dollar und Euro.

Auf diesen Devisenmärkten, die immer mehr von politischen als von wirtschaftlichen Entwicklungen angetrieben werden, war der Star der Woche zweifellos der mexikanische Peso. Er legte zum Wochenende kräftig zu, nachdem in den Nachrichten über die peinlichen Videos von Donald Trump berichtet wurde und seine Aussichten auf den Wahlsieg in immer größere Ferne rücken.

An den Devisenmärkten werden die politischen Entwicklungen in den USA und in Großbritannien weiter im Mittelpunkt stehen, da es im Wirtschaftskalender eher ruhig zugeht. Das Protokoll der September-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC), das am Mittwoch veröffentlicht wird, wird einiges an Klarheit über den Grad der Meinungsverschiedenheiten vermitteln, die in der US-Notenbank über den Zeitplan zukünftiger Zinserhöhungen herrschen.

EUR

In der vergangenen Woche überließ der Euro das Rampenlicht dem britischen Pfund und wurde weiterhin in einigen der engsten Bandbreiten gehandelt, die wir im Verhältnis zu US-Dollar erlebt haben. Das Protokoll der letzten EZB-Sitzung schien kaum Anhaltspunkte für den Bericht zu enthalten, dass die EZB eine Reduzierung ihres Anleihenankaufprogramms erwägen soll. Wir erwarten, dass die trübe wirtschaftliche Entwicklung und zunehmende politische Risiken in Italien aufgrund des bevorstehenden Referendums über die Verfassung die Gemeinschaftswährung in den kommenden Wochen weiter unter Druck setzen dürften.

USD

Weiterhin ist von einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank bis zum Jahresende auszugehen, nachdem der Arbeitsmarktbericht in der letzten Woche beinahe genau den Erwartungen des Marktes entsprach. Die Arbeitslosigkeit ist leicht gestiegen, was aber auf eine starke Zunahme bei der Zahl der Arbeitskräfte zurückzuführen ist. Der robuste Stellenmarkt zieht nämlich bislang entmutigte Arbeitssuchende an. Entscheidend ist außerdem, dass die Löhne weiter steigen – um 2,6% bzw. real um 1,5%.

Dieser Bericht steht voll und ganz mit einer Wirtschaft im Einklang, die keine geldpolitischen Notfallmaßnahmen mehr braucht. Die ISM-Geschäftsklimaindizes, insbesondere für das Dienstleistungsgewerbe, fielen ziemlich stark aus. Nach unserer Einschätzung ist eine weitere Zinsanhebung in diesem Jahr nahezu beschlossene Sache. Die Sitzung im November wird hierfür eine echte Möglichkeit bieten. In der nächsten Woche dürfte die Veröffentlichung des Protokolls über die FOMC-Sitzung von September am Mittwoch einen interessanten Devisenhandel bescheren.

GBP

In der letzten Woche wurden Neuigkeiten aus der Wirtschaft von der Erklärung, Artikel 50 werde bis März 2017 ausgelöst, und der harten Linie, die die Konservative Partei bei den Verhandlungen über den EU-Austritt offensichtlich vertritt, komplett überschattet. Nervosität über die schlechteren Aussichten für das britische Pfund in diesem politischen Umfeld hatten die Währung schon am frühen Freitag Morgen in Asien erheblich geschwächt.

Doch der eigentliche „Blitz-Crash“ mit einem Rückgang von mehr als 6%, gefolgt von einer nahezu sofortigen Erholung, wurde nicht durch weitere Nachrichten, sondern eher durch automatisierte Handelsprogramme ausgelöst, die in einem Umfeld reduzierter Liquidität agieren. Traditionelle Akteure auf diesen Märkten (Investmentbanken) wurden in den letzten Jahren gezwungen, ihre Aktivitäten zurückzuschrauben.

Nach dem Ausverkauf der letzten Woche bewegt sich das britische Pfund auf einem historisch niedrigen Kurstief. Des Weiteren bestehen Anzeichen, dass die negative Reaktion führender Persönlichkeiten in Wirtschaft und Wissenschaft die Führung der Konservativen Partei veranlasst, bei einigen der aggressiveren politischen Vorschläge zurückzurudern. Allerdings werden wir in absehbarer Zukunft wahrscheinlich drastische Bewegungen in beide Richtungen erleben. Diese Entwicklungen unterstreichen, wie wichtig eine angemessene Politik zur Absicherung von Devisenrisiken ist.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.