Dollar nimmt Rally wieder auf, da eine restriktive US-Notenbank auf eine Zinserhöhung im Dezember hinweist

Enrique Díaz-Álvarez17/Okt/2016Devisenmarkt

Die beiden Themen der vergangenen Woche waren die Rally, die der US-Dollar offensichtlich im Verhältnis zu den anderen Leitwährungen wieder aufgenommen hat, und einige versuchsweise Anzeichen für eine Stabilisierung beim britischen Pfund, das in jüngster Zeit so heftig abgestraft wurde. Angesichts fehlender bedeutender Marktdaten konzentrierte sich der US-Dollar auf das Protokoll des Offenmarktausschusses, wonach eine Zinserhöhung im Dezember so gut wie sicher zu sein scheint. Beim Pfund ließ der Verkaufsdruck gegenüber dem Euro etwas nach, da der negative Konsens Rekordstände erreicht. Dies ist mitunter ein Zeichen, dass zumindest kurzfristig eine gegenläufige Trendbewegung zu erwarten ist.

Von den Leitwährungen abgesehen, bestanden die größten Veränderungen aus einer deutlichen Rally beim mexikanischen Peso nach dem Absturz von Donald Trump in den Meinungsumfragen und einem drastischen Ausverkauf bei der schwedischen Krone, den schockierend schwache Inflationsdaten auslösten.

Nach ein paar Wochen mit dünnen Informationen rechnen wir in dieser Woche mit einem Feuerwerk, da eine Reihe von kritischen Daten und geldpolitischen Verlautbarungen veröffentlicht werden. Das Hauptaugenmerk wird auf der EZB-Sitzung am Donnerstag liegen. Wir erwarten, dass Mario Draghi hierbei Gerüchten über eine Reduzierung des Anleihenkaufprogramms als verfrüht entgegentreten wird, was den Euro belasten dürfte. Am Dienstag werden die britischen Inflationsdaten veröffentlicht und erste Hinweise liefern, wie sich die Abwertung des Pfundes nach dem Brexit-Votum auf die Preise niederschlägt. Die geldpolitische Sitzung der Bank of Canada, der Bericht über den Arbeitsmarkt in Australien und aktuelle Informationen über das Rating von Staatsanleihen aus Portugal werden eine betriebsame Woche abrunden.

EUR

In der vergangenen Woche gab es nur wenige Daten außer einer trüben Inflation, die um die üblichen knapp unter zwei Prozent zulegte, an die wir uns bei der Wirtschaft in der Euro-Zone inzwischen gewöhnt haben.  Die EZB-Sitzung in dieser Woche hat da bei weitem größere Bedeutung. Wir gehen davon aus, das Mario Draghi Gerüchten über eine Reduzierung der Anleihenkäufe energisch entgegentreten wird, was den Euro belasten dürfte. Ebenfalls beachtenswert ist, dass die Randländer der Euro-Zone wieder in den Fokus zurückkehren. Die Ratingagentur wird ihr aktualisiertes Rating für Anleihen aus Portugal veröffentlichen. Möglich ist hierbei einer Herabstufung auf Ramschniveau, wodurch der Zugang zu verschiedensten EZB-Programmen verloren ginge. Das Referendum über Verfassungsänderungen, das im Dezember in Italien stattfindet, rückt ebenso in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wie der Versuch, nach der ein komplettes Jahr dauernden Hängepartie endlich eine Regierung in Spanien zu bilden. Für die Gemeinschaftswährung ist das in unseren Augen insgesamt ein ziemlich pessimistisches Gemisch.

USD

Die Inflationszahlen, die am Dienstag veröffentlicht werden, sowie das dritte und letzte Fernsehduell im Präsidentschaftswahlkampf am Mittwoch könnten die Dollar-Rally weiter anfachen. Die Inflation hält möglicherweise positive Überraschungen parat, da sich nach unserer Auffassung in den Erwartungen der Ökonomen der jüngste Anstieg der Energiepreise nicht in vollem Umfang widerspiegelt. Das Fernsehduell dürfte der Sargnagel für die Kandidatur von Donald Trump darstellen. In den Meinungsumfragen scheint er jedenfalls zu weit abgerutscht zu sein, als dass er jetzt noch zu retten wäre. Zusammen dürften diese Ereignisse für die US-Notenbank den Weg frei machen, um die Zinsen in diesem Jahr im November oder Dezember und danach 2-3 Mal im Jahr zu erhöhen. Das ist immer noch deutlich mehr, als die Märkte gegenwärtig einpreisen.

GBP

Trotz anhaltender Volatilität gab es in dieser Woche einige hoffnungsvolle Anzeichen für eine Stabilisierung des britischen Pfundes gegenüber den europäischen Währungen – auch wenn sich das Pfund im allgemeinen Ausverkauf im Verhältnis zum US-Dollar zu ihnen gesellte. Jetzt steht uns eine Woche mit vielen Daten bevor. Am Dienstag werden wir die britischen Inflationsdaten für September erfahren. Wir rechnen hierbei mit Zahlen, die über dem Konsens liegen. Dies wird die Märkte veranlassen, keine weiteren Zinssenkungen durch die Bank of England einzupreisen. Zusammen mit der Tatsache, dass das Pfund bei den aktuellen Kursen extrem billig ist und an den Märkten Short-Positionen in Rekordhöhe gegen die britische Währung bestehen, wird ein sehr viel weitergehender Ausverkauf für das Pfund nach unserer Einschätzung schwierig.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.