Kräftiger Rückgang beim Euro, Rally bei Schwellenländerwährungen

Enrique Díaz-Álvarez24/Oct/2016Devisenmarkt

Auseinander driftende Fundamentaldaten bei den Währungen und ganz konkret bei den Zinsen übernehmen wieder die Führung an den Devisenmärkten. Eine nichts sagende EZB-Sitzung erinnerte Anleger hauptsächlich daran, dass auf absehbare Zeit keine Aussichten auf eine Straffung der EZB-Politik bestehen. Gleichzeitig bereitet sich die US-Notenbank auf eine Zinserhöhung vor dem Jahresende vor. Diese Erkenntnis ließ den Euro hin zum unteren Ende der Bandbreite von 2016 abrutschen. Unterdessen schafft es das britische Pfund, auf seiner jüngsten Stabilisierung aufzubauen. Ihm gelangen sogar eine zaghafte Erholung gegenüber dem US-Dollar und eine solide Rally im Verhältnis zum Euro.

Die Stars der Woche waren aber zweifellos Schwellenländerwährungen. Der brasilianische Real, der mexikanische Peso und der südafrikanische Rand legten allesamt zwischen einem und drei Prozent gegenüber den G10-Leitwährungen zu. Wir rechnen damit, dass sich bei den meisten dieser Währungen die Outperformance im Verhältnis zum Euro und britischen Pfund fortsetzt. Die Gründe hierfür sind die stabilisierende Inflation und hohe Realzinsen, die Kapitalzuflüsse von Anlegerseite anziehen.

EUR

Die wichtigste neue Erkenntnis aus der EZB-Sitzung in der vergangenen Woche lautet, dass es keine neuen Erkenntnisse gab. Eine Reduzierung der Anleihenankäufe, wenn das derzeitige Programm im März 2017 ausläuft, wurde noch nicht einmal angesprochen, und Mario Draghi verwies alle stichhaltigen Fragen auf die Dezember-Sitzung.

In dieser Woche werden am Montag die wichtigsten Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht, die Aufschluss über das Geschäftsklima vermitteln. Änderungen sind eigentlich nicht zu erwarten, aber schon ein kleines Minus beim Gesamtindex würde den dritten aufeinander folgenden Rückgang in drei Monaten bedeuten und helfen, Bedenken über Einschnitte bei den EZB-Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft verstummen zu lassen.

Fehlende Marktreaktionen auf zwei wichtige positive Entwicklungen in den europäischen Randländern am Wochenende (die Wahrscheinlichkeit, dass in Spanien eine Regierungsbildung gelingt, und der Erfolg Portugals, das Investment-Grade-Rating bei DBRS aufrechtzuhalten) hatten an den Devisenmärkten kaum Auswirkungen. Sie liefern vielmehr einen weiteren Beleg dafür, dass sich Anleger voll und ganz auf die geldpolitischen Unterschiede auf beiden Seiten des Atlantiks konzentrieren.

USD

Der jämmerliche Auftritt von Donald Trump beim dritten und letzten Fernsehduell hat seiner Kandidatur anscheinend den Rest gegeben. Am Wochenende wurde nämlich bekannt, dass auch für die Republikaner typischerweise sichere Bundesstaaten noch zu haben sind. Jetzt wendet sich die Aufmerksamkeit wieder den Nachrichten aus der Wirtschaft zu. Am Freitag werden die ersten Zahlen zum Wirtschaftswachstum im dritten Quartal bekannt gegeben. Wir gehen davon aus, dass Wachstum ebenso wie Lohnkosten innerhalb einer soliden Spanne von 2% bis 2,5% zugelegt haben. Das ist genau das, was die US-Notenbank für eine Zinserhöhung bei der Sitzung im November oder Dezember braucht. Mit unserem Ruf nach einem im Großen und Ganzen stärkeren Dollar in den nächsten Monaten fühlen wir uns deswegen immer wohler.

GBP

Eine weiter steigende Inflation und ein Arbeitsmarktbericht ohne Anzeichen dafür, dass sich diese Inflation auf die Löhne durchschlägt, waren in der vergangenen Woche die wichtigsten Wirtschaftsnachrichten in Großbritannien. An den Devisenmärkten steht aber die Politik weiter eindeutig im Mittelpunkt. Dies gilt insbesondere für die Aussichten auf eine Vereinbarung nach dem Brexit, die Großbritannien nach wie vor den Zugang zum europäischen Binnenmarkt sichert. Mark Carney, der Gouverneur der Bank of England, wird am Dienstag beim Wirtschaftsausschuss des Oberhauses aussagen, am Mittwoch wird sich dann Brexit-Minister David Jones hier erklären. Die Märkte werden Ausschau nach gedämpfteren Tönen der Regierung bei diesem letzteren Ereignis halten, die die bislang eher bescheidene Erholung des britischen Pfunds weiter anfachen könnten.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.