Der Dollar fällt vor den US-Wahlen am Dienstag

Enrique Díaz-Álvarez07/Nov/2016Devisenmarkt

Der Dollar hatte letzte Woche geschwächelt, nachdem Unsicherheiten über den Ausgang der US Präsidentschaftswahl die Finanzmärkte belastet haben. Aktien, Rohstoffe und Schwellenlandwährungen wurden letzte Woche stark am Markt verkauft.

Der Kontrast zum britischen Pfund, der anderen Währung, die in der letzten Zeit stark durch politische Ereignisse belastet wurde, könnte nicht grösser sein. Das Pfund hatte die beste Woche in mehreren Monaten nach positiven politischen Entwicklungen und nachdem die Bank of England Erwartungen über weitere Lockerungen der Geldpolitik unterdrückt hat. Wir haben schon länger argumentiert, dass die Währung auf historisch tiefen Levels handelt und das ‘worst case’-Szenario für den Brexit widerspiegelt.

Alle Augen richten sich nun auf die US-Präsidentschaftswahlen am Dienstag. Umfragen und frühe Abstimmungsergebnisse favorisieren Clinton, die weiterhin eine knappe Führung in einigen wichtigen ‘swing states’ verzeichnet (Grafik 1).

Grafik 1: Karte der US Wahlmänner
Figure 1 US Electoral College Map

Real Clear Politics, 07/11/2016

Die Wettanbieter berechnen momentan eine 80% Wahrscheinlichkeit für einen Sieg der Demokraten, nachdem das FBI am Sonntag den Kongress informierte, dass keine Strafverfolgung im Bezug auf Clinton’s E-Mail-Affäre eingeleitet wird. Dies hat Clinton’s Chancen deutlich erhöht und auch den Dollar sowie den mexikanischen Peso stark unterstützt. Letzterer handelt über 2% höher heute. Respektierte Statistiker, FiveThirtyEight, setzen Clinton’s Chancen bei ⅔ fest, viele andere Analysten sogar noch höher.

Wir werden die US-Wahlen rund um die Uhr abdecken und unsere Analysten halten Sie mit stetigen Updates auf dem Laufenden in der Nacht auf Mittwoch.

Die Hauptwährungen im Detail:

EUR

Die Eurozone stand letzte Woche ausserhalb des Rampenlichts.
Es wurden zwar einige wichtige ökonomischen Daten veröffentlicht, darunter die erste Schätzung zum BIP Wachstum des dritten Quartals, die bei verhaltenen 1.2% publiziert wurde, und die Inflationszahl für Oktober, die weiterhin bei enttäuschenden 0.5% stand. Allerdings wurden diese Zahlen von den Gegebenheiten in den USA und Großbritannien überschattet.

Wir erwarten eine weitere Entwicklung in dieser Richtung und denken, dass jegliche EUR/USD Bewegungen als Resultat auf die US-Wahlen folgen werden. Wir erwarten weiterhin ein Sieg von Clinton und darauf eine leichte Aufwertung des Dollars. Ein Sieg von Trump würde allerdings EUR/USD deutlich stärken, schätzungsweise 2-3%, direkt nach dem Wahlausgang.

GBP

Das Pfund wurde letzten Donnerstag von zweierlei Ereignissen gestärkt. Einerseits hatte am Morgen das Hohe Gericht entschieden, dass das britische Parlament der Aktivierung von Artikel 50 zustimmen muss. Diese Bestimmung wird nun zwar beim Obersten Gericht angefochten, es scheint allerdings klar, dass Theresa May einen ‘hard Brexit’ nur bedingt verfolgen kann. Auf Marktsicht erwiesen sich diese Nachrichten als positiv für das Pfund.

Am Mittag erwähnte die Bank of England dann zusätzlich, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik vorerst nicht nötig ist, da mit der jetzigen Politik ein gutes Gleichgewicht zwischen Wachstumsunterstützung und Preisstabilität bestehe.

Diese positiven Nachrichten, die starke Unterbewertung des Pfundes und die extremen Verkaufspositionen im Markt waren dann verantwortlich für eine Aufwertung des Pfundes von 3% über die letzte Woche. Wir denken, diese Bewegung kann weiter anhalten, nachdem die US-Wahlen vorüber sind.

USD

Die US-Arbeitsmarktzahlen von Oktober wurden von den US-Wahlen komplett in den Hintergrund gestellt. Es war ein solider Report, der alle Bedingungen der US-Notenbankmitglieder erfüllt. Die geschaffenen Stellen blieben leicht unter den Erwartungen, wurden allerdings mehr als nur kompensiert von den positiven Revisionen der letzten Monaten. Die Arbeitslosenquote sank auf 4.9% und das Lohnwachstum legte weiter zu auf 2,8% im Oktober auf Jahresbasis.

Dieser Report verfestigt unsere Einschätzung einer weiteren US-Zinserhöhung im Dezember, sollte es zu keiner unerwarteten Krise an den Finanzmärkten kommen.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.