Die Dollar Rally dauert an aufgrund starker US Daten, Rohstoffwährungen erholen sich

Enrique Díaz-Álvarez21/Nov/2016Devisenmarkt

Die unermüdliche Rally des US-Dollar nahm in der letzten Woche nochmals an Geschwindigkeit zu, was den Dollar auf sein höchstes Niveau (handelsgewichtet) seit 2002 gebracht hat.

Der Anstieg der vergangenen Woche war bemerkenswert, da der globale Verkauf von Schwellenlandwährungen tatsächlich zurückgegangen ist. Starke Wirtschaftsnachrichten aus den USA und zunehmend positive Kommentare von den Offiziellen der Federal Reserve verstärken die beiden zugrunde liegenden Themen für Dollar-Aufwertung seit der Präsidentschaftswahl: Schnelleres Wachstum und höhere Zinsen in den USA.

Ein weiteres Schlüsselelement der Marktreaktionen der vergangenen Woche war der starke Erholung der Rohstoffwährungen, angeführt vom mexikanischen Peso, dem russischen Rubel und dem brasilianischen Real. Die Bewegungen fanden statt, obwohl wir in den Rohstoffpreisen selbst nur wenig Aufwärtstrend gesehen hatten. Vielleicht ist dies ein Zeichen, dass die Hauptlast aus den US-Wahlen nun vorbei ist.

Die politischen Entwicklungen werden in den kommenden Wochen weiterhin auf den Finanzmärkten eine wichtige Rolle spielen, denn jetzt verschiebt sich der Fokus von den USA nach Europa. Die US-Märkte gehen in die traditionell ruhige Thanksgiving-Woche.

Nachrichten von den Vorwahlen der französischen republikanischen Partei, die Herbst-Erklärung des britischen Finanzministers und die Abstimmungen über das italienische Referendum im Dezember werden in dieser Woche für wichtige Wirtschaftsdaten oder politische Neuigkeiten stehen.

GBP

Am Mittwoch sollten wir weitere Klarheit über die aktuelle Haltung der Regierung zum Brexit Stand bekommen. Die Märkte erwarten in der Regel höhere Haushaltsdefizite infolge höherer Inflation und Arbeitslosigkeit. Die Frage ist, ob zusätzliche Ermessensausgaben angekündigt werden. Wenn ja, könnte die Kombination von höheren Zinsen und höherem Wachstum aus steuerlichen Konjunkturprogrammen eine ähnliche Wirkung auf das Pfund ausüben, wie die Marktreaktion, die wir in den USA nach Trumps Wahl gesehen haben. In diesem Fall und angesichts der immer noch massiven Verkaufs-Positionen auf dem Pfund könnten wir eine signifikante Rally im Sterling sehen.

EUR

Alle europäischen Daten der vergangenen Woche haben in etwa den Erwartungen entsprochen: BIP-Wachstum (träge), Industrieproduktion (kaum wachsend) und Inflation (viel zu niedrig). Wenn man diese, eher bescheidenen, Erwartungen nicht erfüllt, dann reicht es nicht aus, die Gemeinschaftswährung zu stützen.

In diese Woche erhalten wir zusätzlich zu den letzten Umfragen zum bevorstehenden italienischen Verfassungsreferendum, wo das Nein zu überwiegen scheint, auch noch die führenden PMI Geschäfts-Stimmungsindikatoren. Konsens ist eine weitgehend unveränderte Stimmung auf einem Niveau, das mit dem derzeitigen trägen Wachstumsumfeld übereinstimmt. Es bleibt aber abzuwarten, ob der US-Wahlschock Auswirkungen auf das Vertrauen der Führungskräfte gehabt hat.

USD

Der Dollar wurde letzte Woche durch einen ausgezeichneten Einzelhandelsverkaufsbericht und einen massiven Anstieg der Hausneubauten gestützt. Das Tempo der Hausneubauten in den USA hat nicht gereicht, um mit dem Bevölkerungswachstum seit der letzten Immobilienblase mitzuhalten.

Offensichtlich wird jeder fiskalische Stimulus aus der Trump-Regierung auf eine Wirtschaft treffen, die sich bereits sehr gut und in der Nähe der Vollbeschäftigung bewegt. Die positiven Aussagen der Federal Reserve hat den Aufwärtsdruck auf den Dollar unterstützt und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung  im Dezember steht jetzt fast bei 100%.

In dieser sehr kurzen Thanksgiving-Woche gibt es nicht ganz so viele besondere Ereignisse. Vielleicht am Wichtigsten wird die Veröffentlichung des Berichts zu der FOMC-Sitzung vom November sein. Gespannt wird darauf gewartet, die Gründe für den Anstieg der Inflationsprognose herauszufinden. Jede Vermutung, dass die FOMC beginnt, sich über einen schnelleren Anstieg der Inflation zu sorgen, könnte der Dollar-Rally weiteren Schwung geben.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.