Euro unter Druck, nachdem das ´Nein´ beim italienischen Referendum politische Risiken beleuchtet

Enrique Díaz-Álvarez05/Dec/2016Devisenmarkt

Die im Wesentlichen ruhige Woche an den Devisenmärkten kam am Sonntag zu einem plötzlichen Ende, als die Italiener die vorgeschlagenen politischen Reformen in einem Referendum ablehnten. Obwohl ein ´Nein´ von den Märkten prognostiziert wurde, war das Ausmaß der Niederlage für die italienische Regierung viel größer als erwartet, was den Rücktritt des Ministerpräsidenten Renzi zur Folge hatte und die Aussicht auf neue Wahlen und einen möglichen Sieg für die eurokritische Partei hervorgebracht hat.

Die Märkte haben diesbezüglich sofort und stark reagiert. Der Euro handelte in der Nähe von einem 20 Monats-Tief zum Dollar, wobei das Pfund etwa 0,5% gegenüber der Gemeinschaftswährung zugelegt hatte. Die entscheidende Frage für die Märkte ist nun, ob in Italien Wahlen folgen werden. Wenn das stattfinden sollte, würden es zu einem bereits mit politischen Risiken überfüllten Zeitpunkt geschehen. Dies ist keineswegs eine günstige Perspektive für den Euro, und wir bestätigen unsere Prognosen für eine Bewegung unter die Parität im ersten Quartal 2017.

GBP

Das Pfund hatte die beste Woche in Monaten. Diverse konservative Politiker schlugen einen versöhnlicheren Ton für die Verhandlungen mit der Europäischen Union ein und betonten, dass der Zugang zum Binnenmarkt ein wichtiges Ziel der Verhandlungen mit der Europäischen Union über Brexit sein wird. Es ist angenehm zu hören, dass Premierministerin May darauf schließen ließ, dass die Bedürfnisse der britischen Unternehmen bei der Durchführung der Verhandlungen oberste Priorität haben werden. Insgesamt bleiben wir bei der Meinung, dass das Pfund sich Richtung 1.25 zum Euro in der ersten Jahreshälfte nächstes Jahr bewegen wird.

EUR

Das tragische ´Nein´ im italienischen Referendum wird leider die positiven Nachrichten überschatten, die wir in den vergangenen Wochen von der Wirtschaft der Eurozone gesehen hatten. Letzte Woche haben wir gesehen, dass die Arbeitslosigkeit die psychologische Barriere von 10% im November gebrochen hat. Noch wichtiger ist, dass die abwärts gerichtete Tendenz, die im Sommer ins Stocken zu geraten schien, überzeugend wieder aufgenommen wurde.

Jedenfalls werden sich politische Risiken in naher Zukunft sowohl auf die Märkte als auch auf die Politik konzentrieren. Die übergroße Niederlage des italienischen Referendums kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Italienische Banken befinden sich im Rahmen eines bilanziellen Sanierungs- und Rekapitalisierungsprozesses. Die EZB wird sicherlich versuchen, an dieser Stelle eine konstruktive Rolle zu spielen, und wir erwarten, dass sie das Anleihenkaufprogramm bis zu sechs Monaten verlängern und die verfügbaren Anleihen erweitern werden.

USD

Die letzte Hürde für eine Dezember-Zinserhöhung der US Notenbank wurde am Freitag aus dem Weg geräumt. Während der November Arbeitsmarktbericht etwas widersprüchlich aussah, ist es trotzdem klar, dass der US-Arbeitsmarkt immer noch stark ist. Sowohl die geschaffenen Stellen als auch der Dreimonatsdurchschnitt blieben bei knapp 180.000 Arbeitsplätzen pro Monat.

Die Arbeitslosenquote sank ungewöhnlich stark um 0,3% auf 4,6%. Allerdings sank der Stundenlohn tatsächlich um 0,1%, was die jährliche Rate auf 2,5% senkt.. Wir sind der Meinung, dass beide divergierenden Überraschungen statistischer Natur sind und in den kommenden Monaten ausgeglichen werden. Die Arbeitsmarktstärke und der straffende Inflationsdruck haben zur Folge, dass die Fed die Zinsen langsam und gleichmäßig steigern wird, beginnend mit 0,25% in diesem Monat.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.