US-Steuerprogramm & Fed gegen EU-Anleihenkaufprogramm

Enrique Díaz-Álvarez23/Oct/2017Devisenmarkt

Der US-Dollar konnte in der vergangenen Woche weiter an Wert gewinnen. Die wiederentfachten Erwartungen für eine Steuerreform und die Spekulationen um die Nachfolge von Janet Yellen (Fed) haben zu einer Zinsanstieg über alle Laufzeiten hinweg geführt. Als Gründe für diese Marktbewegung könnte man die politischen Risiken in Europa ansehen, jedoch hat auch der Euro gegenüber den restlichen G10 Währungen an Wert gewonnen. Zu den größten Verlierern gehörten der neuseeländische Dollar (NZD) mit Nachrichten um die arbeitnehmerfreundliche Regierung und der südafrikanische Rand (ZAR) mit Nachrichten um eine Neubildung des Kabinetts von Präsident Zuma.

Diese Woche wird von der wichtigen EZB-Sitzung am Donnerstag domininert. Die Sitzung stellt das letzte Haupt-Risikoevent vor der Fed-Sitzung im Dezember dar. In den kommenden zwei Wochen stehen die Sitzungen der Zentralbanken von Norwegen Schweden und Kanada an.

Die Hauptwährungen im Detail

EUR

Die Wirtschafts-Nachrichten waren spärlich in der vergangenen Woche. Die anhaltende, politische Krise in Spanien hat bisher keinen klaren Effekt auf dem Währungsmarkt. Der Währungsmarkt schaut derzeit auf die kommende EZB-Sitzung. Es wird erwartet, dass der EZB-Rat die Geschwindigkeit und Laufzeit für eine Verlängerung des Quantitative Easing Programms bekannt gibt. Mindestens genauso wichtig wird die EZB-Sicht auf das Verfehlen der Inflationserwartungen sein. Die Inflationsdaten werden intensiv betrachtet, da diese erste „Bremsspuren“ durch die politische Krise in Spanien offenbaren können.

GBP

Die Inflation und die Arbeitsmarktdaten wird die Bank of England zu einer Leitzinserhöhung in der kommenden Woche führen. Die Inflationsrate stieg im September auf einen annualisierten Wert von 3%. Dies ist der höchste Wert seit Frühjahr 2012. Während die Lohnsteigerungen hinter der Inflation zurückbleiben, ist der Arbeitsmarkt gesund und nahe der Vollbeschäftigung. Die Märkte preisen eine 80%ige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im November ein, dies ist aus unserer Sicht nachvollziehbar. In diesem Zusammenhang wird jede positive Nachricht zu den Brexit-Verhandlungen zu einer kleinen Rally gegenüber dem Euro führen.

USD

Der US Senat hat einen wichtigen Schritt getan, um das republikanische Steuerprogramm ohne die Unterstützung der Demokraten umzusetzen. Ein weiterer fiskalischer Stimulus trifft die US-Wirtschaft unter Vollbeschäftigung. Dies kann dazuführen, dass die Fed mit weiteren, noch nicht für das Jahr 2018 erwarteten, Leitzinserhöhungen reagieren wird. Zudem besteht Ängste in Bezug auf die Ernennung des kommenden US-Notenbank-Chefs durch Donald Trump. Wir sehen dies als Überreaktion an, da der Kandidat keinen großen Einfluss üben kann.

In dieser Woche wird lediglich das US-Wirtschaftswachstum für das dritte Quartal veröffentlicht. Dies wird aufgrund der beiden Hurrikans keine große Bedeutung beigemessen. Insgesamt wird der US-Dollar daher eher auf neue Nachrichten reagieren.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.