Leitzinsen: Tauben in Europa und Falken in Großbritannien

Enrique Díaz-Álvarez30/Oct/2017Devisenmarkt

In der vergangenen Woche sahen wir ein vorsichtiges Handeln vor der EZB-Sitzung am Donnerstag. Die EZB beschloss die Verlängerung des Anleihekaufprogramms um 9 Monate und Reduzierung der monatlichen Höhe auf 30 Mrd. EUR. Jedoch stellte Mario Draghi klar, dass die erste Leitzinserhöhung in weite Ferne rückt. Zudem wiederholte er seine Bedenken in Bezug auf die geringe Inflation innerhalb der Euro-Zone. Dieser taubenhafte Ton führte zu einem Ausverkauf des Euros, der anschliessend die Tiefststände des Sommers unterbot. Die taubenhafte Aussagen der schwedischen, norgwegischen und kanadischen Zentralbank  schwächte die jeweilige Währung. Auf der anderen Seite konnte das britische Pfund in Vorbereitung auf die erwartete Leitzinserhöhung am Donnerstag an Wert gewinnen.

Neben der Sitzung der Bank of England werden Trump’s Wahl für den Vorsitzenden der Fed und die anhaltende spanische Verfassungskrise den Handel mit den Hauptwährungen in dieser Woche bestimmen.

 

Hauptwährungen im Detail

EUR

Die EZB hat der Einheitswähung mit der taubenhaften Ankündigung in der vergangenen Woche keine Unterstützung geboten. Das Anleihekaufprogramm wird um weitere 9 Monate bei einem reduzierten Ankaufvolumen von EUR 30 Mrd  fortgeführt. Dies war zuvor vom Markt angenommen worden.

Jedoch werden die Zinsen der Haupt-Einflussfaktor für die Währungsmärkte sein. Dabei werden die Nachrichten keine Ünterstützung für den Euro darstellen. Die ausführlichen Aussagen, dass die negativen Zinsen bis zur Beendigung des Anleihekaufprogramms bleiben, verschieben den Zeitplan für die ersten Zinserhöhungen weit in das Jahr 2019. Zeitgleich prognostizieren wir den US-Leitzins zur gleichen Zeit bei über 2%. Das große Zinsdifferenzial wird den Druck auf den Eurp hochhalten. Die Märkte teilen die Ansicht und der Euro durchbrach die Tiefststände aus August und endete den Juli-Levels, bei denen die zurückliegende EURUSD Rally begann.

 

USD

Neben den taubenhaften Nachrichten der verschiedenen europäischen Zentralbanken wird der US-Dollar von den Nachrichten in Bezug auf den Fortschritt zur Steuerreform unterstützt. Zudem wurde am Freitag das Bruttoinlandsprodukt der ersten 9 Monate veröffentlicht. Dies ist deutlich stärker ausgefallen als erwartet.

Es scheint, dass Janet Yellen nicht länger im Kampf um Ihren bisherigen Posten involviert ist. Die Wahl wird zwischen Powell und Taylor fallen. Unabhängig von der Person hat der Vorsitzende keinen starken Einfluss auf die Geldpolitik, da die meisten Entscheidung mittels Konsens getroffen werden. Von der wirtschaftlichen Seite werden lediglich die Lohn- und Gehaltskosten für den Oktober veröffentlicht, die stark von den beiden Hurrikans beeinflusst sind.

 

GBP

In einer nachrichtenarmen Woche und ohne negative Nachrichten in Bezug auf die Brexit-Verhandlungen konnte das britische Pfund sich gegen den Ausverkauf der europäischen Währungen gut behaupten. Die wachsende Markterwartungen für die erste Leitzinserhöhung der letzten 10 Jahre unterstützte das britische Pfund. Wir erwarten mehr als eine Leitzinserhöhung im kommenden Jahr. Die britische Wirtschaft arbeitet über dem Inflationsziel und nahe der Vollbeschäftigung. Eine ultraleichte Geldpolitik passt somit nicht zur Wirtschaft. Daher prognostizieren wir einen schrittweisen Leitzinserhöhungszyklus, der weitere Unterstützung für das britische Pfund bietet.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.