Deutsches Wachstum unterstützt den Euro, US Zinsen bewegen sich

Enrique Díaz-Álvarez20/Nov/2017Devisenmarkt

In der vorangegangenen Woche unterstützten zwei Faktoren den EURUSD-Wechselkurs. Erstens, bestätigten die starken BIP-Zahlen des dritten Quartals das wirtschaftliche Wachstum in der Euro-Zone.  Zweitens, der Rückgang der langfristigen US-Zinsen im Vergleich zu den Kurzfristigen – ein Phänomen, das als „Kurvenabflachung“ bekannt ist. Diese Zinsentwicklung bedeutet, dass die Märkte höhere Zinssätze nicht als nachhaltig erachten. Daraus resultierend wackelt der US-Dollar. Allerdings haben besser als erwartete US-Daten den US-Dollar gegen Rohstoffwährungen wie den AUD und NZD unterstützt.

Diese Woche beginnt mit der Nachricht, dass der Versuch, eine stabile Regierung in Deutschland zu bilden, schlecht verläuft. Dies ist negativ für den Euro. Amerika freut sich auf die Thanksgiving-Feiertage, die ab Mittwoch Morgen einen dünnen Handel mit sich bringen werden. Auf beiden Seiten des Atlantiks werden diese Woche keine wesentlichen Daten veröffentlicht, sodass die Politik die Währungsmärkte bestimmen werden.

 

Hauptwährungen im Detail

EUR

Die starken deutschen BIP-Zahlen beflügelten den Euro. Wir bezweifeln jedoch, dass die Rally andauern wird. Die EZB hat das starke Wirtschaftswachstum innerhalb der Eurozone in ihren Prognosen bereits berücksichtigt. Um höhere Zinssätze in der Eurozone rechtfertigen zu können, benötigt die EZB einen deutlichen Aufwärtstrend in der Kerninflation. Hierzu sehen wir keine Anzeichen. Das Protokoll der letzten EZB-Sitzung sollte Aufschluss über die zunehmende Divergenz zwischen EZB-Prognose und der tatsächlichen Inflationsrate geben.

 

USD
Die Währungsmärkte haben eine wichtige Information in den USA übersehen. Die Aufwärtsüberraschung der Inflation für den Monat Oktober sollte die Fed-Mitglieder beruhigt haben. Diese haben sich über den geringen Anstieg der Löhne und Gehälter in späten Stadium des Wirtschaftszyklus besorgt gezeigt. Wir sind zuversichtlich, dass der Bericht über die Lohnentwicklung für den Monat November, der erste nach den beiden Hurrikans, einen steigenden Trend vorweisen werden. Dies wird weitere Zinserhöhungen nach der anstehenden Zinserhöhung im Dezember ermöglichen.

 

GBP

Zu Beginn der Woche belasteten schwächer als erwartete Inflationsdaten das britische Pfund. Allerdings konnte sich das britische Pfund gegen den US-Dollar erholen. Dies gelang gegenüber dem Euro nicht. Am Mittwoch steht die Verabschiedung des Haushalts 2018 auf dem Programm. Wir sehen einen gewissen Spielraum für eine positive Überraschung im Vergleich zu den Markterwartungen. Die Konservativen schneiden schlecht ab und haben interne Streitpunkte (Parteidruck zur Entspannung der unpopulären Austeritätspolitik). Solch ein Ergebnis sollte sich posititv auf das britische Pfund auswirken.

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Verfasst von Enrique Díaz-Álvarez

Chief Risk Officer bei Ebury. Engagiert sich für maßgeschneiderte Strategien zur Minderung von Wechselkursrisiken, detaillierte Markteinsichten und FXFC-Prognosen für Bloomberg.